Erich Fromm: Lebensinhalt

Der deutsch-amerikanische Sozialpsychologe Erich Fromm
Der deutsch-amerikanische Sozialpsychologe Erich Fromm

Haben oder Sein?

Der Deutsch-Amerikaner Erich Fromm war ein bedeutender Sozialpsychologe und Philosoph, der durch seine tiefgehenden Analysen der menschlichen Gesellschaft und Psyche internationale Anerkennung erlangte. Seine Werke beschäftigen sich intensiv mit den Bedingungen menschlicher Existenz und den Wegen zu einem erfüllten Leben. Fromm gilt als einer der einflussreichsten Denker des 20. Jahrhunderts.

In „Haben oder Sein“, veröffentlicht 1976, untersucht Fromm zwei fundamentale Arten des Lebens:
die „Haben“- und die „Sein“-Orientierung. Die „Haben“-Orientierung beschreibt eine Lebensweise, die auf Besitz, materiellen Reichtum und Konsum ausgerichtet ist. Menschen mit dieser Haltung definieren sich über das, was sie besitzen, und streben ständig nach mehr.
Im Gegensatz dazu steht die „Sein“-Orientierung, die den Fokus auf authentische Erfahrungen, persönliches Wachstum und zwischenmenschliche Beziehungen legt. Hierbei geht es nicht um Besitz, sondern um das aktive Erleben und die Verwirklichung des eigenen Potenzials. Fromm argumentiert, dass die moderne Gesellschaft überwiegend von der „Haben“-Orientierung geprägt ist, was zu Entfremdung, Unzufriedenheit und sozialen Problemen führt:

»Der moderne Konsument könnte als jemand beschrieben werden,
der isst, ohne hungrig zu sein,
trinkt, ohne durstig zu sein,
kauft, ohne etwas zu brauchen.«

Erich Fromm

Dieses Zitat aus „Haben oder Sein“ verdeutlicht Fromms Kritik an der konsumorientierten Gesellschaft. Er betont, dass der Mensch nicht nur als Konsument existiert, sondern als vernunftbegabtes Wesen, das in der Lage ist, über seine Lebensweise nachzudenken und Veränderungen vorzunehmen. Fromm plädiert daher für einen Wandel von der „Haben“- zur „Sein“-Orientierung, bei dem Individuen ihre Lebensgewohnheiten überdenken und den Fokus auf sinnstiftende Aktivitäten und echte menschliche Verbindungen legen.
Dieser Übergang erfordert bewusste Entscheidungen und die Bereitschaft, sich von der Vorstellung zu lösen, dass Glück und Erfüllung durch materiellen Besitz erreicht werden können.​ Auch rund ein halbes Jahrhundert nach dem Erscheinen von „Haben oder Sein“ ist die gesellschaftliche Transformation – also weg vom Haben und hin zum Sein – in Anbetracht der gegenwärtigen globalen Herausforderungen dringender denn je geboten.

Für weiterführende Einblicke in Fromms Gedankenwelt empfiehlt sich das folgende Gespräch mit ihm zu „Haben oder Sein“: