Carel van Schaik ist ein renommierter niederländischer Primatologe und Anthropologe, der von 2004 bis 2018 als Professor und Direktor des Instituts und Museums für Anthropologie an der Universität Zürich tätig war. Seine Forschung konzentriert sich auf die soziale Evolution von Primaten, insbesondere auf das Verhalten von Orang-Utans, um Rückschlüsse auf die Entwicklung menschlicher Eigenschaften wie Technologie, Kultur und Sprache zu ziehen.
In dem Buch „Mensch sein – Von der Evolution für die Zukunft lernen“, das in Zusammenarbeit mit dem Historiker Kai Michel entstand, analysiert van Schaik die tiefgreifenden Veränderungen, die mit dem Übergang von Jäger- und Sammlergesellschaften zu Ackerbau und Viehzucht einhergingen. Dieser Wandel im Neolithikum führte zu einer sesshaften Lebensweise, was die Entstehung von Besitz- und Eigentumskonzepten begünstigte. Durch die Ansammlung von Ressourcen entstanden soziale Hierarchien und komplexere gesellschaftliche Strukturen. Van Schaik betont die zentrale Rolle von Sprache und Lehren in dieser Entwicklung: Die Fähigkeit, Wissen weiterzugeben und zu kommunizieren, ermöglichte es den Menschen, kollektive Lernprozesse zu etablieren und kulturelle Errungenschaften über Generationen hinweg zu bewahren. Diese kulturelle Weitergabe war entscheidend für die Anpassungsfähigkeit und den Erfolg der menschlichen Spezies.
»Unsere Lebensweise hat sich radikal verändert, aber unsere Biologie hat nicht Schritt gehalten.«
Carel van Schaik
Dieses Zitat subsumiert van Schaiks Unterteilung der menschlichen Natur in drei Entwicklungsebenen: die angeborene Biologie, die erlernte Kultur und das angestrebte vernunftbasierte Handeln. Die Biologie als in Form von angeborenen Eigenschaften umfasst unsere evolutionär geprägten Verhaltensweisen und Instinkte. Die Kultur als erlernte Verhaltensweise repräsentiert die durch Sozialisation und Bildung erworbenen Normen, Werte und Kenntnisse, die je nach Gesellschaft variieren können. Das vernunftbasierte Handeln schließlich steht für die bewusste Reflexion und das Streben nach ethischem Verhalten, das über biologische und kulturelle Prägungen hinausgeht. Van Schaik argumentiert, dass ein Gleichgewicht zwischen diesen drei Aspekten essenziell ist, um den Lebensbedingungen in der modernen Welt des Anthropozentrismus gerecht zu werden. Außerdem zeigt er die Übergänge zwischen diesen verschiedenen Ebenen auf und macht damit die individuellen Herausforderungen in der aktuell notwendigen gesellschaftlichen Transformation deutlich, um eine nachhaltige Zukunft zu gestalten
Für eine tiefere Auseinandersetzung mit diesen Themen empfiehlt sich das Hörbuch „Mensch sein – Von der Evolution für die Zukunft lernen“, das auf Spotify verfügbar ist: